Kanarienvogel

Herzlich Wilkommen auf unserer Webseite über den Kanarienvogel! Wir haben diesen Haltungsratgeber für alle Fans der niedlichen Vögel ins Leben gerufen und natürlich auch für alle, die es erst noch werden wollen.

Wissenswertes über Kanarienvögel

Im Folgenden möchten wir einen kleinen Überblick über den Kanarienvogel bieten und euch die niedlichen Tierchen damit vorstellen und hoffentlich auch etwas näher bringen.

Systematik

Kanarienvögel sind Singvögel, die zur Familie der Finken gehören. Als Unterart des Kanarengirlitz ist der Girlitz in der Natur der nächste Verwandte der Kanarienvögel.

Herkunft

Kanarienvögel stammen, getreu ihres Namens, von den Kanarischen Inseln, die heute politisch zu Spanien, geografisch aber zu Afrika gehören. Weit verbreitet sind die Gesangskünstler aber auch auf den Azoren und der Insel Madeira. Spätestens seit sie vor über 500 Jahren domestiziert wurden, gibt es die Vögel aber auch in anderen Ländern.

Arten

Man kann Kanarienvögel in die drei Hauptgruppen Gesangskanarien, Farbenkanarien und Gestaltkanarien beziehungsweise Positurkanarien unterteilen. Die verschiedenen Arten beziehungsweise Rassen unterscheiden sich zum Beispiel hinsichtlich ihres Aussehens und ihres Gesangstalents.

Während Gesangskanarienvögel einzigartige, melodische Lieder trällern können, zeichnen sich Farbkanarienvögel hauptsächlich durch ihre vielen Farbvariationen aus. Großen Wert auf das Aussehen legt man auch bei Positurkanarien, die zum Beispiel in kleine, große gebogene, frisierte oder glatte Varianten unterschieden werden.

Aussehen

Kanarien gibt es in vielen Variationen, zum Beispiel mit schneeweißem oder zweifarbigem Gefieder. Die am weitesten verbreitete Form ist das typische Kanarien-Gelb. Die kleinen Stimmwunder werden je nach Rasse 13-15 cm (Gesangs- und Farbkanarienvögel) oder 11-23 cm (Positurkanarienvögel) groß. Ausgewachsene Kanarienvögel wiegen zwischen 17 und 25 g.

Gesang

Kanarien zählen zu den Singvögeln und verständigen sich als solche untereinander auch durch Gesang. Während der Balzzeit werben Hähne durch ihren Gesang um eine Henne und grenzen zugleich auch ihr beanspruchtes Revier gegenüber anderen männlichen Rivalen ab. Daraus resultiert wohl der weit verbreitete Mythos, dass lediglich die Hähne singen können. Dies ist allerdings nicht der Fall. Auch Hennen sind zum Gesang befähigt, tun dies in der Praxis aber leiser und eher sehr selten.

Kanarienvögel besitzen ein sehr gutes Gehör und können dadurch nicht nur arteigene Laute, sondern auch den Gesang anderer Vögel „verstehen“. Dadurch sind Kanarien in der Lage, artfremde Töne zu imitieren und sie mit in ihren eigenen Gesang einzubinden.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung eines Kanarienvogels in der Haustierhaltung beträgt etwa 6 bis 15 Jahre und ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Zum einen ist natürlich eine möglichst artgerechte Haltung die Voraussetzung dafür, dass die Tiere ein besonders hohes Alter erreichen können.

In der Praxis ist dies oftmals allerdings leider nicht gegeben und die Tiere sterben zum Teil deutlich früher. Auch Kanarienvögel, die in der Zucht eingesetzt wurden, werden aus natürlichen Gründen für gewöhnlich nicht so alt und erreichen üblicherweise nur ein Alter von etwa 6 bis 8 Jahren.

Mauser

Von August bis Oktober findet bei Kanarienvögeln die sogenannte Mauser statt. Bei dieser wechseln die Vögel innerhalb von 6-8 Wochen ihr Federkleid. Bei Kanarien, die nicht optimal ernährt und gehalten werden, kann man beobachten, dass diese während der Mauser zwar Federn verlieren, aber keine neuen nachwachsen. Meistens sind Mangelerscheinungen und Hormonstörungen die Ursache dafür.

Während der Zeit der Mauser ist es deshalb besonders wichtig, dass der Halter besonders auf das richtige Futter achtet. Kanarienvögel haben während der Mauser einen erhöhten Kalk- und Eiweißbedarf, der nur über eine angepasste Ernährung gedeckt werden kann. Zur Bildung des neuen Gefieders benötigen Kanarien zudem jede Menge zusätzliche Energie. Einige Vögel hören deshalb während der Mauser sogar mit dem Singen auf. In seltenen Fällen sogar permanent.

Geschlechtsreife

Bevor Kanarienvögel geschlechtsreif werden müssen sie ihre erste Mauser (sogenannte Jugendmauser) hinter sich bringen. Die Geschlechtsreife wird deshalb ungefähr mit 8 Monaten erreicht.

Brutzeit

Die Brutzeit beträgt bei Kanarienvögeln normalerweise etwa 13-14 Tage. Unerfahrene Weibchen (Hennen) müssen das richtige Brüten erst lernen und die Dauer bis zum Schlüpfen der Jungtiere (Küken) kann sich dadurch etwas erhöhen.

Das Ausbrüten der je Gelege 3-7 Eier ist bei Kanarienvögeln übrigens üblicherweise reine Frauensache. Das Weibchen brütet die Eier während der gesamten Brutzeit also alleine aus und wird vom Männchen (Hahn) allerdings zumindest mit Nahrung versorgt und somit unterstützt.

Einzelhaltung

Kanarienvögel sind, anders als zum Beispiel Wellensittiche, keine typischen permanenten Schwarmvögel. In der Natur finden sich Kanarienvögel, wie auch ihr nächster Verwandter, der Kanariengirlitz, lediglich zur Überwinterung zu gemeinsamen Fluggruppen zusammen. Im Frühjahr lösen sich diese Gruppen allerdings wieder auf und es kommt im Rahmen der Balzzeit zu einer Revier- und später auch Paarbildung.

Für die Heimtierhaltung bedeutet das, dass eine dauerhafte Einzelhaltung nicht artgerecht und deshalb abzulehnen ist. Stattdessen ist die Paar- beziehungsweise Gruppenhaltung mit je nach Bedarf höchstens temporärer Einzelhaltung die wohl erstrebenswerteste Haltungsform.

Anschaffungskosten

Der Preis für einen Jungvogel beginnt etwa bei 10-20 Euro und ist von mehreren Faktoren, wie zum Beispiel Herkunft, Rasse oder manchmal auch Geschlecht, abhängig. Ein weiterer entscheidender Faktor ist, wer den Kanarienvogel verkauft. Tierheime beispielsweise sind primär an einer erfolgreichen Vermittlung interessiert und wollen eigentlich nur ihre Kosten decken. In der Folge sind Kanarienvögel aus dem Tierheim meist relativ günstig (10-20 Euro).

In Zoohandlungen liegt der Preis pro Tier hingegen üblicherweise im mittleren Bereich (20-30 Euro). Die Kanarienvögel verursachen für diese Geschäfte während ihres Aufenthalts im Laden Kosten, die sie durch den höheren Preis kompensieren wollen. Letztendlich steht hier ja das Geschäft im Vordergrund.

Private Züchter sind hingegen eher nicht wirklich primär am Geldverdienen interessiert und verkaufen die Tiere deshalb oft recht günstig (10-20 Euro). Bei professionellen Züchtern oder Zuchtvereinen sieht die Sache schon wieder etwas anders aus. Gerade für spezielle Rassen oder „besondere“ Jungvögel muss man oft etwas mehr (50-100 Euro) ausgeben.

Haltungskosten

Bei den Haltungskosten muss zwischen einmaligen und regelmäßigen Kosten unterschieden werden. Zu den einmaligen Kosten gehört zum Beispiel der Käfig beziehungsweise die Voliere, die es in halbwegs artgerechten Größen ab etwa 100 Euro zu kaufen gibt.

Ein Käfig oder eine Voliere alleine reichen natürlich noch nicht aus, denn eine sinnvolle Käfigausstattung und Spielzeug beziehungsweise Beschäftigungsmöglichkeiten kommen auch noch dazu. Hier sollten noch einmal Kosten in Höhe von mindestens 30-50 Euro veranschlagt werden.

Zu den regelmäßigen Kosten zählen vor allem die Kosten für das Futter. Eine artgerechte Ernährung kostet etwa 5-15 Euro pro Monat. Nicht vergessen werden sollten auch die Kosten für den Tierarzt. Standarduntersuchungen und einfache Behandlungen kosten für gewöhnlich unter 50 Euro. Eine schwere Erkrankung, eine komplizierte Behandlung oder ein Notfall können jedoch schnell auch einmal deutlich teurer werden (100 Euro und mehr!).

Die Geschichte der Kanarienvögel

Die Geschichte der Kanarienvögel beginnt, wie der Name es bereits vermuten lässt, auf den Kanarischen Inseln.

Ursprung

Auf den Kanaren ist der Kanarengirlitz ansässig, der als der Vorfahre des Kanarienvogels, so wie wir ihn heute kennen, gilt. Es wird vermutet, dass die Ureinwohner der Kanaren bereits vor sehr langer Zeit damit begannen, die ersten Exemplare aufgrund ihrer herrlichen Gesangeskünste als Haustiere zu halten.

Einfuhr nach Europa

Im 15. Jahrhundert wurden die Kanarischen Inseln dann von dem Normannen Jean de Béthencourt im Auftrag Spaniens erobert. Béthencourt wurde auf die bunten, niedlichen und munter trällernden Tierchen aufmerksam und brachte die ersten Kanarengirlitze mit nach Europa, um sie spanischen und später auch französischen Adeligen als Geschenk zu unterbreiten.

Anstieg der Popularität

Die damals sogenannten „Zuckervögelchen“ kamen in den europäischen Adelshäusern sehr gut an und waren von da an schnell ein Zeichen für Wohlstand und Weltgewandtheit. Die rasant zunehmende Popularität der Tiere sorgte für eine große Nachfrage, die sich über den Seeweg kaum befriedigen lies. Geschäftstüchtige spanische Mönche erkannten die Situation und unternahmen die ersten Zuchtversuche auf europäischem Boden.

Erste Zuchtversuche

Durch diese Zucht entstanden letztendlich die heute bekannten Kanarienvögel, die sich inzwischen mehr oder weniger deutlich vom Kanarengirlitz unterscheiden. Die Nachfrage nach den Kanarienvögeln war in Europa zwischenzeitlich so groß und das Geschäft mit den Tieren so ertragreich geworden, dass die Mönche sogar versuchten, sich ihr Monopol dauerhaft zu sichern. Für viele Jahre wurden deshalb nur männliche Kanarien verkauft.

Weitere Verbreitung in Europa

Etwa Mitte des 16. Jahrhunderts brach das Monopol der spanischen Mönche schließlich zusammen, als die Italiener in den Besitz von weiblichen Kanarienvögeln kamen und mit einer eigenen Zucht beginnen konnten. Von nun an nahm die weitere Verbreitung der Kanarienvögel innerhalb Europas ihren Lauf. Ungefähr seit dem Ende des 16. Jahrhunderts wurden beispielsweise auch in England und Frankreich die ersten Zuchtversuche unternommen.

Während man in England bei der Zucht vornehmlich auf die Gestalt achtete, legten die Franzosen hingegen mehr Wert auf die Färbung des Gefieders. Die Tiroler wiederum legten den meisten Wert auf den Gesang und kamen letztendlich auch auf die Idee, den Jungvögeln Nachtigallen als eine Art Gesangslehrmeister zur Seite zu stellen.

Einführung in Deutschland

Über Tirol gelangten die Kanarien im 17. Jahrhundert schließlich auch nach Deutschland. Die Blütezeit der Kanarienvogelzucht begann und hatte im 18. Jahrhundert europaweit ihren Höhepunkt erreicht. Im 19. Jahrhundert siedelten sich Züchter aus Tirol im Harz an und perfektionierten dort die Gesangskünste ihrer Zuchttiere. So entstand Mitte des 19. Jahrhunderts der „Harzer Roller“, eine Kanarienrasse, die aufgrund ihres besonderen, rollenden Gesangs weltweite Berühmtheit erlangte.

Wichtige Fragen und Antworten zum Thema Kanarienvogel

Es gibt ein paar häufige Fragen, die im Zusammenhang mit Kanarienvögeln immer wieder gefragt werden. Hier haben wir einige dieser Fragen gesammelt und liefern direkt die Antworten.

Was kostet ein Kanarienvogel?

Ein einzelner Kanarienvogel kostet in der Anschaffung ungefähr zwischen 15 und 100 Euro. Natürlich ist es damit noch nicht getan, denn ein Käfig beziehungsweise eine Voliere und eine entsprechende Ausstattung kosten auch nicht gerade wenig Geld. Zu diesen Kosten kommen dann noch weitere regelmäßige Kosten für Futter, Tierarzt, etc. dazu. Wenn man die Kosten auf das gesamte Vogelleben hochrechnet, dann kommt man je Kanarienvogel auf Gesamtkosten von mindestens ca. 1500 Euro.

Wie alt werden Kanarienvögel?

Kanarienvögel werden bei guten Haltungsbedingungen 8-12 Jahre alt. Diese für ein Haustier relativ hohe Lebenserwartung sollte man gerade als Ersthalter unbedingt bedenken, ehe man sich ein oder gleich mehrere Kanarien kauft und die damit verbundene zeitliche und finanzielle Verpflichtung eingeht.

Wer singt – Männchen oder Weibchen?

Es gibt den Mythos, dass nur die männlichen Kanarienvögel singen. Tatsächlich können allerdings auch die Weibchen singen und tun dies gelegentlich, wenn auch selten sogar. (Siehe: Gesang)

Wann singt ein Kanarienvogel?

Dem Gesang von Kanarienvögeln kann man oftmals bereits früh am Morgen lauschen, denn die Männchen beginnen bereits in den Morgenstunden mit dem Singen. Gerade während der Balzzeit ist der Gesang dabei am stärksten ausgeprägt, denn während dieser Zeit will der Hahn durch seinen Gesang die Henne beeindrucken und potenzielle Nebenbuhler abschrecken. (Siehe: Gesang)

Wer brütet – Männchen oder Weibchen?

Bei den Kanarienvögeln ist das Brüten ausschließlich die Aufgabe der Mutter. Das Männchen versorgt das Weibchen während der Brutzeit allerdings mit Futter und kümmert sich auch nach dem Schlüpfen um die Nahrungsbeschaffung. (Siehe: Brutzeit)

Wer baut das Nest – Männchen oder Weibchen?

Die Henne nimmt bei den Kanarienvögeln nicht nur das Ausbrüten der Eier komplett selbst in die Hand. Auch der Nestbau wird vom Weibchen ohne Zutun des Hahns in Eigenregie übernommen.

Was ist besser Kanarienvogel oder Wellensittich?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern nur individuell. Zwischen Wellensittichen und Kanarienvögeln gibt es viele Gemeinsamkeiten, aber auch ein paar wichtige Unterschiede. Tendenziell ist es so, dass Wellensittiche etwas leichter zahm werden und verspielter sind. Im Gegenzug besitzen Wellensittiche allerdings nicht die Gesangskünste von Kanarienvögeln, die dafür jedoch etwas scheuer und weniger zutraulich sind.

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