Kanarienvogel – Krankheiten

Kanarienvögel sehen zwar aufgrund ihrer Größe nicht unbedingt so aus, gelten eigentlich aber als recht widerstandsfähige Tiere. Dennoch sind auch sie jedoch nicht vor Krankheiten geschützt. Im folgenden Artikel möchten wir deshalb einen Überblick über häufige Erkrankungen bei Kanarien geben und erklären, woran man kranke Vögel überhaupt erkennt. Denn die möglichst frühzeitige Erkennung von Krankheiten und eine entsprechend rasche Behandlung kann manchmal über die Heilungschancen bestimmen.

Das beste Mittel gegen Krankheiten: gute Haltungsbedingungen

Ein einfacher (und auch bei Kanarienvögeln richtiger) Grundsatz in der Medizin lautet: das beste Mittel gegen Krankheiten ist, erst gar nicht krank zu werden. Es ist erwiesen, dass die Haltungsbedingungen bei Haustieren einen direkten Einfluss auf Erkrankungen haben. In anderen Worten: vernünftig und artgerecht gehaltene Tiere werden eindeutig seltener krank.

Schlechte Haltungsbedingungen, zum Beispiel in Form von zu kleinen Käfigen, nicht artgerechter Ernährung oder dreckigen Unterbringungen, hingegen sorgen für eine deutlich höheres Krankheitsrisiko. In diesen Situationen ist es dann auch meistens keine Frage des „Ob“, sondern eher des „Wann“. Zur Vermeidung von Krankheiten sollte man sich deshalb stets um eine möglichst ordentliche und artgerechte Haltung bemühen.

An diesen Symptomen erkennt man Krankheiten bei Kanarienvögeln

Natürlich sind gute Haltungsbedingungen letztendlich keine Garantie dafür, dass Kanarienvögel im Laufe ihres Lebens nicht doch einmal krank werden. Oftmals lassen sich Krankheiten jedoch recht früh erkennen und entsprechend behandeln – vorausgesetzt, man beobachtet seine Mitbewohner ausgiebig. Kanarienvögel sind recht aktive Tiere. Wer seine Vögel regelmäßig hegt und pflegt und viel Zeit mit ihnen verbringt, der wird deshalb meist auch recht schnell merken, wenn etwas nicht stimmt.

Die folgenden Anzeichen beziehungsweise Symptome sind Hinweis für eine Erkrankung:

  • Teilnahmslosigkeit
  • aufgeplusterte Körperhaltung
  • trüber Blick
  • geringe Nahrungsaufnahme
  • Probleme mit dem Gefieder
  • Probleme an den Krallen
  • Probleme mit dem Schnabel
  • auffällige Atemgeräusche
  • Durchfall

Sobald man diese Anzeichen bei seinen Vögeln feststellt, sollte man die Tiere ganz genau beobachten und im Zweifelsfall lieber früher als später einen Tierarzt aufsuchen. Je eher schwerwiegende Krankheiten behandelt werden, desto höher sind die Heilungschancen. Von zu langem Warten und eigenen Behandlungsversuchen ist indes in der Regel abzuraten.

Häufige Krankheiten bei Kanarienvögeln im Überblick

Die folgenden Krankheiten sind typisch und treten bei Kanarienvögeln sehr häufig auf.

Mauser

Die Mauser ist selbstverständlich keine Krankheit, sondern der normale Gefiederwechsel, den Kanarien regelmäßig durchlaufen. Das auffällige Aussehen der Tiere während der Mauser kann jedoch auch leicht mit einem Krankheitssymptom verwechselt werden und gerade Außenstehende und Laien denken gerne, dass mausernde Vögel auf jeden Fall krank sein müssten.

Üblicherweise ist das natürlich falsch, denn die Mauser stellt einen ganz natürlichen Prozess dar. Bedenken sollte man aber trotzdem, dass die Mauser für Kanarienvögel eine recht belastende Zeit ist. Das Immunsystem der Tiere kann in der Folge geschwächt sein, was die Anfälligkeit für Krankheiten während dieser Zeit erhöht.

Manchmal kommt es allerdings auch zu Problemen während der Mauser. Kanarienvögel mit Hormonstörungen oder Mangelerscheinungen zum Beispiel verlieren während der Mauser zwar ihre alten Federn, haben jedoch Schwierigkeiten, neue zu bilden. Diese sogenannte Stockmauser kann auch durch schlechte Haltungsbedingungen hervorgerufen werden. Ein Tierarzt sollte die genauen Ursachen abklären.

Legenot

Als Legenot bezeichnet man eine Erkrankung bei weiblichen Kanarienvögeln. Sie tritt recht häufig bei jungen Hennen auf, die zum ersten Mal legen. Betroffene Tiere werden meist geschwächt und aufgeplustert auf dem Boden sitzend in einer Ecke der Unterbringung gefunden. Bei der Legenot setzt sich ein Ei im Legedarm der Henne fest, so dass sie dieses nicht herauspressen kann.

Durch die langandauernden aber erfolglosen Pressversuche sind die Hennen sehr schnell stark erschöpft. Außerdem sieht es durch die Pressversuche so aus, als ob der Vogel an Atemnot leidet. Wenig später kommt es durch das feststeckende Ei zu schwerwiegenden Entzündungen im Bereich der Kloake. Der Bauch und die Kloake sind dann geschwollen und gerötet. Unbehandelt führt die Legenot relativ schnell (meistens 1 Tag) zum Tod der Hennen.

Sobald man eine mögliche Legenot bei einer Henne feststellt, sollte man deshalb umgehend einen Tierarzt aufsuchen. Dieser wird dann versuchen, das festsitzende Ei herauszumassieren. Hierbei muss jedoch sehr vorsichtig vorgegangen werden, da zerbrochene Eierschalen innere Verletzungen hervorrufen können. Wärmende Rotlichtlampen und das Beträufeln der Kloake mit Öl sind unterstützende Maßnahmen.

Milbenbefall

Der Befall mit Milben ist bei Kanarienvögeln ein sehr großes gesundheitliches Problem, das mit am häufigsten auftritt. Milben sind kleine, mit bloßem Auge schwer erkennbare Parasiten, die sich in Haut und Gefieder der Vögel einnisten. Man unterscheidet zahlreiche verschiedene Milbenarten. Bei Kanarienvögeln häufig verbreitet sind die Rote Vogelmilbe, die Nordische Vogelmilbe, die Luftsackmilbe und die Grab- beziehungsweise Räudemilbe.

Milben ernähren sich vom Blut und Gefieder der Kanarien und ein starker Befall kann das Immunsystem der Vögel enorm beanspruchen und bedeutet für die Tiere zudem auch jede Menge Stress. Die Ursachen für starken Milbenbefall sind meist in schlechten Haltungsbedingungen und ungenügender Sauberkeit zu finden, auch wenn sich ein Kontakt mit den Parasiten grundsätzlich nicht vermeiden lässt.

Stellt man einen starken Milbenbefall fest, müssen sämtliche Vögel der Unterbringung mit einem Mittel gegen Milben (zum Beispiel Ivomec) behandelt werden, da die Parasiten sich sonst von Vogel zu Vogel erneut ausbreiten würden. Um dies zu verhindern, muss deshalb auch die gesamte Unterbringung gründlich gereinigt (am besten mit heißem Wasser) und desinfiziert (zum Beispiel mit Ardap) werden. Alle Nester, Sitzstangen, etc. sollten zudem durch neue ersetzt werden.

Pilzbefall

Im Körper von Kanarienvögeln versuchen sich immer wieder Pilze und deren Sporen anzusiedeln. Normalerweise ist das bei einer intakten Darmflora aber unbedenklich, da die nützlichen Darmbakterien die Pilze auffressen und eine Ausbreitung verhindern. Durch eine Schädigung der natürlichen Darmflora, die zum Beispiel durch die Gabe von Antibiotika oder eine fehlerhafte Ernährung auftreten kann, kann es allerdings zu einem Pilzbefall beim Kanarienvogel kommen.

Breiten sich die Pilze im Darm der Tiere aus, geben sie über die Darmwand bestimmte Gifte an den Körper ab. Diese belasten das Nervensystem und die Leber der Kanarienvögel. Wird ein solcher Pilzbefall nicht behandelt, kann es zu irreparablen Leber- und Nervenfunktionsstörungen kommen. Vorbeugen kann man, indem man für eine gesunde Ernährung und möglichst wenig Stress sorgt.

Durchfall

Durchfall ist eher ein Symptom und keine Krankheit. Er tritt bei Kanarien relativ häufig auf und die Ursachen können sehr vielfältig sein. Manchmal ist eine nicht-artgerechte Ernährung der Auslöser für den Durchfall und durch eine Umstellung des Speiseplans ganz einfach zu behandeln. Man sollte Durchfall bei Kanarienvögeln allerdings generell nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn der Flüssigkeitsverlust kann für die kleinen Vögel recht schnell tödlich enden.

Häufig wird Durchfall bei Kanarienvögeln auch indirekt hervorgerufen. Kanarien werden oft von Parasiten befallen. Diese können bei den Tieren jede Menge Stress verursachen und zu einer Schwächung des Immunsystems führen. Diese Abwehrschwäche sorgt dann wiederum dafür, dass sich die im Darm befindlichen Bakterien vermehren und es zu einer bakteriell bedingten Darmentzündung kommt. Ein Gang zum Tierarzt ist hier Pflicht, denn die geschwächten Kanarien können sich unbehandelt nicht mehr von selbst erholen.

Kanarienpocken

Bei den Kanarienpocken handelt es sich um eine für Kanarienvögel tödliche Krankheit, die durch das Pocken-Virus verursacht wird. Erkrankte Kanarienvögel bekommen eitrige Bläschen an den Hornteilen und Schnabelwinkeln. Im weiteren Verlauf der Krankheit kommt es zu erkältungsähnlichen Symptomen bis hin zu schwerer Atemnot.

Die Kanarienpocken verlaufen in den meisten Fällen tödlich. Überlebende Kanarien sind jedoch immer Träger des Virus und somit dauerhaft ansteckend. Erkrankte Vögel können somit den gesamten Bestand infizieren und dadurch schnell für den Tod sämtlicher Tiere sorgen. Eine echte Behandlungsmöglichkeit gibt es derzeit noch nicht. Eine vorbeugende Impfung ist jedoch möglich.

Knochenbrüche

Knochenbrüche, wie zum Beispiel gebrochene Beine oder Flügel, kommen bei Kanarien durchaus ab und an vor. Stellt man einen Knochenbruch fest, sollte man umgehend einen Tierarzt aufsuchen. Dieser kann die Brüche fixieren oder richten, so dass sie im Normalfall relativ problemlos wieder abheilen. Bei offenen Brüchen muss natürlich zusätzlich noch eine Wundversorgung durchgeführt werden.

Fußprobleme

Kanarienvögel, die in einer zu kleinen Voliere leben und keinen Freiflug bekommen, leiden nicht selten unter verhornten Füßen, die das Ergebnis von Bewegungsmangel sind. Bei dieser Krankheit bilden sich auf den Füßen Hornplatten, die dem Kanarienvogel Schmerzen zufügen. Häufig macht sich diese Erkrankung dadurch bemerkbar, dass die Kanarienvögel häufiger auf einem Bein sitzen und nicht mehr so gerne fliegen. Behandelt werden Fußprobleme meistens durch das Auftragen von speziellen Salben.

Grauer Star

Beim Grauen Star handelt es sich um eine Augenerkrankung, die bei Kanarienvögeln leider nicht behandelbar ist. Kennzeichnend für diese Krankheit ist eine Eintrübung der Augenlinse, was dann zu einer verminderten Sehkraft bis hin zum vollständigen Erblinden führt. Vom Grauen Star sind deutlich mehr alte Vögel als junge betroffen.

Im Krankheitsverlauf verlieren die Kanarienvögel zunehmend ihre Sehkraft. Meist fallen betroffene Tiere dann durch scheinbar ungeschicktes Verhalten auf, zum Beispiel weil sie irgendwo dagegen fliegen. Manche Kanarienvögel werden dadurch so ängstlich, dass sie später gar nicht mehr fliegen. Andere kommen mit ihrer Krankheit besser klar. Da es keine Möglichkeit zur Heilung gibt, sollten zu stark beeinträchtigte Tiere eingeschläfert werden, um sie zu erlösen.

Der Gang zum Tierarzt

Wenn man bei Kanarienvögeln die Anzeichen für eine ernsthafte Krankheit feststellt, dann sollte man nicht lange zögern und einen (idealerweise vogelkundigen) Tierarzt aufsuchen.

So sollte man kranke Kanarienvögel transportieren

Man sollte bedenken, dass der Weg zum Tierarzt für Kanarienvögel sehr stressig sein kann. Da die Vögel wegen ihrer Krankheit ohnehin schon geschwächt sind, sollte man deshalb auf einen möglichst schonenden und stressfreien Transport achten. Dieser fängt schon bei der Auswahl einer geeigneten Unterbringung für den Transport an.

Am besten geeignet sind Transportboxen für Vögel oder kleine Käfige. Beide Varianten gibt es im Zoofachhandel zu kaufen und sollten natürlich nicht erst angeschafft werden, wenn sie gebraucht werden. Bedenken sollte man zudem, dass die Tiere manchmal für ein paar Tage beim Tierarzt bleiben müssen. Die kleinen Transportboxen sind für eine längere Unterbringung allerdings nicht geeignet.

Für einen stressfreien Transport ist auch die Wahl des Transportmittels entscheidend. Nach Möglichkeit sollte man hier auf das Auto zurückgreifen und stets auf schnellstem Wege zum Tierarzt fahren. Öffentliche Verkehrsmittel, wie Bus oder Bahn, sollten hingegen eher nur im Notfall benutzt werden.

Während des Transports sollte man den Käfig beziehungsweise die Transportbox mit einem Tuch oder einer Decke abdecken. Die Kanarienvögel bekommen dadurch weniger von den Einflüssen ihrer Umgebung mit, was dabei hilft, den Stresspegel der Tiere erheblich zu senken. Dass man Kanarien während des Transports auch vor starker Sonneneinstrahlung, extremen Temperaturen, Zugluft, lauter Musik, Zigarettenqualm, etc. schützen muss, versteht sich von selbst.

Mit diesen Kosten muss man rechnen

Kanarienvögel sind vergleichsweise kleine Haustiere und die Kosten beim Tierarzt halten sich im Allgemeinen auch in Grenzen. Einfache Untersuchungen und Behandlungen, wie zum Beispiel Krallenschneiden, Kot- oder Blutproben und Abstriche, liegen in etwa im Bereich von 10-30 Euro. Komplexere Behandlungen und Operationen können jedoch auch etwa 50-100 Euro kosten.

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